Interkommunale Heißausbildung der Feuerwehren

Technische Ausrüstung und persönliche Schutzkleidung bietet den Feuerwehrangehörigen heute einen weitaus größeren Schutz als noch vor Jahren. Brandschutzkleidung z. B. war vor noch nicht allzu langer Zeit eine einfache schwer entflammbare Baumwolljacke, die keinerlei Schutz vor Hitzestrahlung bot. Sicherlich erinnern sich noch viele Bürger an die in Warnfarbe gehaltenen orangefarbenen Jacken, die das Bild der Feuerwehr über Jahre hinweg geprägt hat, den Einsatzkräften jedoch kaum Schutz bot. Die heutige Brandschutzkleidung ist im gesamten weniger auffällig, bietet den Feuerwehrangehörigen jedoch, in Verbindung mit einem Atemschutzgerät, die Möglichkeit über einen kurzen Zeitraum sich einer brennenden Umgebung auszusetzen, die im Normalfall tödlich wäre. Erreicht wird dies durch technisch hochwertige Fasern und eingearbeitete Membranen.

 

All diese Maßnahmen nutzen jedoch nur dann etwas, wenn die Ausbildung hierauf ausgelegt ist. Theoretisch weiß jedes Kind das Feuer heiß ist und man sich verbrennt. Was es jedoch bedeutet sich verbrannt zu haben wird in der Regel „ Erfahren“. Genau nach diesem Prinzip werden die Geräteträger der Feuerwehr heiß ausgebildet. Heißausbildung bedeutet Erfahrung sammeln, man begibt sich bewusst in eine lebensbedrohliche Situation um den Einsatzfall zu üben. Die Möglichkeit einer solchen Heißausbildung, konnten aufgrund der Interkommunalen Zusammenarbeit, die Flörsheimer, Hochheimer und Hattersheimer Feuerwehren am vergangenen Wochenende auf dem Gelände der RMD wahrnehmen. Der Geschäftsführer der RMD Gerd Mehler hat den Feuerwehren zu Übungszwecken eine Brandsimulationsanlage gemietet. Da die RMD schon öfter auf die Hilfe der Feuerwehr Flörsheim sowie der Nachbargemeinden Hochheim und Hattersheim zurückgegriffen hat, war es Herrn Mehler als Vertreter der RMD wichtig, einen Beitrag zur Ausbildung zu leisten.

 

Die mobile Brandsimulationsanlage ist ein von einer Fachfirma speziell hergerichteter Übungsraum auf Basis eines LKW Auflegers. Hierbei gibt es verschiedene Konzepte zur Nachbildung von Räumen. Innerhalb des Containers sind aus Stahlblech Möbel nachgebaut, die mit Gasdüsen brennend dargestellt werden können. Der Löscherfolg des Übungstrupps wird durch Thermoschalter an den Modellen oder aber durch einen Beobachter bewertet, der die Flammen erlöschen lassen kann.   Natürlich wird hierbei unter extremen Sicherheitsvorkehrungen geübt, mit der einen oder anderen Brandblase muss jedoch gerechnet werden.

 

Ein befragter Feuerwehrmann gibt das erlebte folgendermaßen wieder: „ Hinter der Tür sieht man nichts. Rauch umgibt einen und die Hitze ist fühlbar aber noch nicht unangenehm. Man tastet sich im Kriechgang in völliger Dunkelheit durch den Raum, plötzlich brennt das Modell eines Herdes mit mindestens  1,5 m hohen Flammen 20 – 30cm vor deinem Gesicht. Die Hitze wird plötzlich spürbar aber ist noch auszuhalten. Du lässt dich zurückfallen und gibst Wasser über das Strahlrohr auf den Herd ab. Aber statt die Flamme zu löschen brennt plötzlich noch das Bett und es kommt zu einer Durchzündung  im  Raum. Mein Übungskamerad klopft mir noch auf die Schulter, hinter uns hat es ebenfalls angefangen zu brennen. Der Rückweg ist somit auch versperrt. Wir sind in einer Falle. Überall ist plötzlich Feuer, deine Klamotten sind nass die Hitze ist  nun unerträglich. Dort wo das Atemschutzgerät auf deinen Schultern liegt wird die Schutzkleidung wirkungslos. Es ist richtig heiß, Sauna ist Kindergeburtstag. Wir haben den Rückzug über den Notausgang angetreten und konnten das Feuer nicht löschen. Bei unserem Abschlussgespräch wurden wir auf die Fehler aufmerksam gemacht. Der Herdbrand hätte durch das Abdecken mit einem Topfdeckel, der am Boden lag gelöscht werden können. Wir haben durch die Wasserzugabe eine Fettbrandexplosion verursacht, die den ganzen Raum entzündete“. Jederzeit wieder, besser kann man als Feuerwehrmann nicht auf einen Innenangriff im Brandfall vorbereitet werden, war sein Fazit.

 

An diesem Übungswochenende wurden über 130 Feuerwehrleute trainiert, die Kosten für die Übungsanlage belaufen sich auf ca. 6500€. Gut angelegtes Geld für die Sicherheit der Einsatzkräfte, die nun im Notfall wissen was auf Sie zukommt wenn sie zur Rettung von Menschenleben in brennende Gebäude eindringen.