Die Chronik der Feuerwehr Hochheim

Seit dem Jahre 1881 haben sich Hochheimer Einwohner in einer Gemeinschaft zusammengeschlossen, um in Not und Gefahr Hab und Gut ihrer Mitbürger zu schützen und zu retten. Die Gründer der Hochheimer Freiwilligen Feuerwehr haben es geschafft, einen idealen Gedanken des Gemeinwesens in die Tat umzusetzen: Sie haben eine Institution gegründet, die über ein Jahrhundert hinweg, wie wohl nur wenige vergleichbare Einrichtungen, dem Gemeinwohl auf freiwilliger Basis gedient hat. Diese Grundeinstellung, freiwillig etwas für die Gemeinschaft zu tun und eine Verpflichtung auf sich zu nehmen, ohne gleichzeitig eine Gegenleistung zu erwarten, geht in unseren modernen Städten immer mehr zurück. So sei an dieser Stelle zu Ehren der Gründer der Freiwilligen Feuerwehr und zum Nachdenken für die heutige Generation ein Auszug aus dem Festbuch zum 25-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Hochheim am Main veröffentlicht, der auch heute nicht besser geschrieben werden könnte.

Bis zum Jahre 1881 lag in Hochheim der Feuerlöschdienst einzig und allein in den Händen der seitens der Gemeinden dazu verpflichteten Bürger, der sogen. Pflichtfeuerwehr. Eine Instruktion der Herzoglich Nassauischen Landesregierung vom 22. November 1826 gab genaue Bestimmungen über die Tätigkeit der Wehren bei Feuersbrünsten, Beschaffenheit und Bedienung der Geräte und Verordnungen hinsichtlich des Verhütens von Feuersgefahr. Durch besondere Verwendung des Königlichen Amtmannes Freiherrn von Berlepsch trat gegen Ende des Jahres 1881 eine freiwillige Feuerwehr für die Stadtgemeinde Hochheim ins Leben. Die nähere Veranlassung war ein Brand, verursacht durch Blitzschlag im Betz’schen Hause. Diese Vereinigung bildete sich aus Mitgliedern des Kriegervereins und jungen Männern, die ihrer militärischen Dienstpflicht genügt hatten. Auf Veranlassung des provisorischen Vorstandes wurde  am 12. Februar 1881 eine Generalversammlung einberufen, zu welcher 36 Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr erschienen. Die Tagesordnung umfasste:

1. Wahl des definitiven Vorstandes, sowie der Oberführer und Führer.

2. Einteilung der freiwilligen Feuerwehr.

Aus der Wahl gingen hervor als Kommandant: Herr Bernhard Walch, Stellvertreter Herr Johann Munk, als Maschinenmeister Herr Johann Klein, Stellvertreter Paul Schmelz, als Schriftführer Herr Bernhard Siegfried. Die Mannschaften wurden eingeteilt in Steigermannschaft (auch Rettungsmannschaft genannt) und in Spritzenmannschaft.

In Bezug auf die dienstliche Stellung der Feuerwehr wurde beschlossen, dem Gemeinderat mitzuteilen, dass bei auswärtigen Bränden die freiwillige Feuerwehr mit der Pflichtfeuerwehr abwechseln werde. Jedoch soll die Stellung eines Beiwagens zum Transport der Mannschaften bei der Gemeinde beantragt werden. Die Anmeldungen zu der Wehr mehrten sich, und bei der Sitzung am 18. Februar 1882 waren weitere 7 Meldungen ergangen, wovon 3 als Mitglieder durch Auskugelung bestimmt und aufgenommen wurden.

Der Bestand an Feuerlöschgeräten war im Anfang ein einfacher. Derselbe bestand aus der alten, noch sehr gut funktionierenden Feuerspritze. Im Jahre 1882 wurde eine neue Spritze angeschafft aus der Werkstätte der Firma Roth in Idstein. Dieselbe wurde am 28. Februar desselben Jahres probiert und als tadellos befunden.

Ferner bestand die Ausrüstung noch in einer kleinen fahrbaren Spritze, einigen Anstellleitern und einer kleinen tragbaren Ausziehleiter. Letztere erwies sich jedoch für die hohen Gebäude in Hochheim als unzureichend. Deshalb wurde im Jahre 1894 auf Kosten der Gemeinde eine mechanische, 18 m hohe fahrbare Leiter angeschafft, welche von der Firma J. G. Lieb in Bieberach zum Preise von ca. 1800 DM geliefert wurde. Eine wesentliche Erleichterung im Feuerlöschwesen brachte die neu angelegte Wasserleitung, welche im Jahre 1895 fertiggestellt war. Hatte bisher bei Bränden das Löschmittel, nämlich das Wasser, aus dem Brandweiher mit Fässern mühsam herbeigeschafft werden müssen, so war es jetzt überall an Ort und Stelle vorhanden durch die Anlage von ca. 80 Hydranten. Der Wasserstrahl hat einen Druck von 4 bar. An der tiefer gelegenen Bahn beträgt derselbe sogar 6 bis 7 bar.

Als eine segensreiche, soziale Einrichtung ist die Gründung der Sterbekasse durch Kommandanten Schulz im Jahre 1899 zu betrachten. Dieselbe hat den Zweck, Mitglieder der Wehr bei Unfällen gelegentlich von Übungen oder bei Feuersbrünsten schadlos zu halten und im Sterbefalle Unterstützungen an die Hinterbliebenen zu gewähren. Die Kasse wird leistungsfähig erhalten durch Geschenke, Legate und sonstige Zuwendungen, sowie durch Beiträge der unterstützenden Mitglieder. Die Höhe der Unterstützungen an die Hinterbliebenen beim Ableben richtet sich nach der Zahl der Dienstjahre, welche das betreffende Mitglied bei der freiwilligen Feuerwehr hatte. Im Jahre 1903 wurde von der Stadtgemeinde eine Feuerlöschordnung betreffs Regelung der Pflicht-Feuerwehr erlassen. Nach derselben beträgt die Zahl der Pflicht-Feuerwehrmänner über 200. Was nun die Tätigkeit der freiwilligen Feuerwehr betrifft, so ist zu bemerken, dass in den letzten Dezennien Hochheim vor schweren Brandschäden, wie sie von anderen Orten und Städten bekannt wurden, glücklich verschont geblieben ist. Dieses ist der Umsichtigkeit seiner Bewohner, der guten Bauart der neueren Stadtteile und dem Pflichtgefühl seiner Feuerwehr, die bei ausbrechendem Feuer stets möglichst rasch zur Stelle war und die Gefahr beseitigte oder das Feuer auf seinen Herd lokalisierte, zuzuschreiben.

Bis zum Jahre 1914 war in Hochheim am Main der Brandschutz durch die Freiwillige Feuerwehr gesichert, da diese technisch und personell gut gerüstet war. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden aber zahlreiche Feuerwehrmänner zum Militär eingezogen, so dass der Brandschutz durch die älteren Kameraden aufrechterhalten werden musste. So hatte auch die Freiwillige Feuerwehr 6 Kameraden zu beklagen, die nicht mehr aus dem Krieg zurückkehrten. Die Kameraden aber, die aus dem Krieg heimkehrten, blieben der Freiwilligen Feuerwehr treu und versahen wieder den Brandschutzdienst in Hochheim am Main.

Notzeiten wie die nach 1918 machten die Existenz einer gut gerüsteten Feuerwehr erst recht erforderlich, und so wurde durch die Beschaffung neuer Geräte und regelmäßige Übungsstunden eine zuverlässige Feuerwehr geschaffen, die ihr Können nicht nur in Hochheim, sondern auch in benachbarten Orten unter Beweis stellen musste. So konnte man zum 50-jährigen Jubiläum im Jahre 1931 auf ein halbes Jahrhundert erfolgreiche und anerkennenswerte Arbeit zurückblicken, und feierte dieses Jubiläum gebührend mit der Hochheimer Bevölkerung, auswärtigen Besuchern und benachbarten Feuerwehren in einem Festzelt bei der Turnhalle. Doch auch der Hochheimer Feuerwehr standen ab 1939 schlimme Zeiten bevor.

Wie zum ersten Weltkrieg wurden die wehrfähigen Männer auch im zweiten Weltkrieg einberufen, und umso länger der Krieg dauerte, umso stärker musste das Feuerwehrwesen von der älteren Generation übernommen werden. Je tiefer sich der Krieg in das Hinterland fraß, umso mehr musste die Feuerwehr, die damals Feuerlöschpolizei genannt wurde, Hilfeleistungen erbringen. Je länger der Krieg dauerte, umso zahlreicher waren die Aufgaben, die an die Feuerwehr gestellt wurden. Bald steigerten sich die Luftangriffe und damit auch die Fliegeralarme, so dass ständige Alarmbereitschaft das oberste Gebot war. Allein in den letzten Monaten des Krieges wurde 300-mal alarmiert. Als dann das benachbarte Mainz im August 1942 beim ersten Luftangriff stark zerstört wurde, rief man die Hochheimer Feuerwehr. Später folgten Alarmierungen nach Angriffen auf Kostheim, Kastel, erneut Mainz, Frankfurt und Darmstadt. Hinzu kamen Einsätze in der eigenen Heimatgemeinde, bei denen man noch wertvolles Gut retten konnte, oder bei denen nur noch die Trümmer zu beseitigen waren. Die Freiwillige Feuerwehr Hochheim am Main gedenkt an dieser Stelle besonders den Kameraden, die bei einem Einsatz während eines Luftangriffes ums Leben kamen. Es waren die Kameraden Johann Hartmann, Jean Mayer und Heinrich Philipp. Doch die Zeit blieb hier zum Glück nicht stehen. Wie nach dem ersten Weltkrieg, übernahmen die heimkehrenden Kameraden wieder den Brandschutzdienst. Doch sie übernahmen als “unbescholtene Bürger” für wenige Monate zusätzlich eine heute  fast unvorstellbare Aufgabe, nämlich die der Ordnungsgewalt. Diese Aufgabe wurde von der Feuerwehr nach der Kapitulation bis zur Neuorganisation der Staatsgewalt und damit verbunden der Neuorganisation der Polizei im Auftrag der Alliierten wahrgenommen.

Mit der technischen Ausrüstung stand es jedoch schlecht. Das  Löschfahrzeug LF15 wurde in den letzten Wochen des Krieges von Hochheim abgezogen, so dass man mit schlechtem oder unbrauchbarem Löschgerät auf die Hilfe des Landkreises angewiesen war. So wurde der Hochheimer Feuerwehr ein Löschfahrzeug zugewiesen, welches aber auch unter den Wirren des Krieges gelitten hatte und erst in Stand gesetzt werden musste. Neu hinzu kam im Jahre 1950 ein Schaumlöschgerät als Anhänger, welches mit je 6 Nass- und Trockenlöschern bestückt war, darüber hinaus führte der Anhänger 400 Liter Schaummittel mit. Er war mit einer Tragkraftspritze ausgerüstet, welche wahlweise Löschwasser oder Schaum fördern konnte.

Im Jahre 1951 konnte die Hochheimer Feuerwehr dann ihr 70-jähriges Bestehen feiern und im Jahre 1956 beging man dann das 75-jährige Bestehen ebenfalls mit einem Jubiläumsfest. Als besonderes Geschenk der Stadt Hochheim feierte man im Rahmen dieses Festes das Richtfest des  damals neuen Feuerwehrhauses in der Flörsheimer Straße, welches zu seiner Zeit sicherlich zu den modernsten im Landkreis gehörte. In diesem Zusammenhang sei berichtet, dass die Hochheimer Feuerwehr schon mehrfach umgezogen ist. War man doch zuerst mit seinem Gerät in dem heute abgerissenen und nur noch den alten Hochheimern bekannten “alten Rathaus” untergebracht, musste man mit der Beschaffung der ersten größeren Geräte in die Kirchstraße, Ecke Wintergasse umziehen. Dort war man bis zum Jahre 1954 untergebracht. Von dort aus führte der Weg in das Gebäude der Hessischen Landesbank, wohingegen das Feuerwehrfahrzeug abwechselnd auf dem Grundstück des Winzervereins oder bei Bernhard Siegfried in der Kirchstraße untergebracht war. Nach Fertigstellung des Feuerwehrhauses in der Flörsheimer Straße bezog die Feuerwehr erstmals ihre “eigenen vier Wände”.

Als Ersatz für das nach vielen Dienstjahren verschlissene LF 15 erhielt man ein neues Löschfahrzeug LF 8, und im Jahre 1966 ein Tanklöschfahrzeug vom Typ TLF 16. Aus eigenen Vereinsmitteln beschaffte sich die Feuerwehr einen Kastenwagen, welcher dann in Selbsthilfe zu einem Löschgruppenfahrzeug mit eingeschobener Pumpe (TS 8) ausgebaut wurde. Im gleichen Jahr kaufte man ebenfalls aus eigenen Mitteln einen Mannschaftswagen. Mit der Errichtung der ersten Hochhäuser in Hochheim war die Beschaffung einer modernen Drehleiter erforderlich, welche im Jahre 1970 in Dienst gestellt wurde.

Seit 1973 wurde durch Klaus Schreiber eine Jugendfeuerwehr in Hochheim ins Leben gerufen, die noch bis heute mit weit über 30 Mitgliedern weitergeführt wird. Bereits heute tun zahlreiche Kameraden in der Feuerwehr ihren Dienst, die ihren Weg zur Feuerwehr in der Jugendfeuerwehr begonnen haben.

Der Fuhrpark wurde dann 1974 durch ein modernes Löschgruppenfahrzeug vom Typ LF 16 mit Notstromaggregat und Flutlichtausrüstung erweitert.  Nach einem Verkehrsunfall des Mannschaftswagens wurde Ersatz in Form eines modernen Einsatzleitfahrzeuges beschafft, welches auch mit Verkehrssicherungsausrüstung ausgestattet war. Mit steigendem Verkehrsaufkommen in unserem Gebiet stieg auch die Zahl der Verkehrsunfälle, zu denen die Feuerwehr zur Bergung von Personen und Gütern gerufen wurde. Es war daher der Kauf von einem Bergungsgerät, bzw. einer Rettungsschere unumgänglich. Diese Ausrüstung wurde vorübergehend im vorher erwähnten LF 8 untergebracht. Nachdem dieses Fahrzeug nicht mehr verkehrssicher war, wurde ein neues LF 8 beschafft, in welchem die gesamte Hilfeleistungsausrüstung zusätzlich untergebracht  wurde. Das Fahrzeug wurde 1980 in Dienst gestellt. Seit dem recht stattlichen Fuhrpark war schon seit langem abzusehen, dass das Feuerwehrhaus räumlich für die Hochheimer Feuerwehr erheblich zu klein geworden war. Nach anfänglichen Umbauplänen entschloss man sich, ein neues Feuerwehrhaus zu errichten. Der Grundstein wurde 1980 gelegt, und im März 1981 konnte die Wehr ihr neues Domizil in der Massenheimer Landstraße beziehen Schließlich kam ein Anhänger mit einem Sprungrettungskissen hinzu, welches es ermöglicht, Menschen aus Stockwerken zu bergen, die mit der Drehleiter nicht mehr zu erreichen sind.

Im Jahre 1981 feierte die Hochheimer Wehr ihr 100-jähriges Jubiläum. Eigens dazu wurde auf dem Weihergelände ein Festzelt von dem Kameraden aufgebaut. Auch ein traditioneller Festzug durch das Hochheimer Stadtgebiet fehlte damals nicht.

Um bei Unfällen aller Art noch besser helfen zu können, wurde 1985 ein Rüstwagen beschafft. Auf diesem Fahrzeug ist technisches Gerät aller Art verstaut, mit dem man vom Verkehrsunfall über auslaufende Gefahrstoffe bis zum überschwemmten Keller in jeder Lage helfen kann.

1990 wurde ein neues Tanklöschfahrzeug angeschafft, vier Jahre später auch eine neue Drehleiter. Gerade diese Fahrzeuge sind bei Bränden immer an erster Stelle im Einsatz.

1995 wurde ein Anbau an das bisherige Feuerwehrhaus fertig gestellt. Zusammen mit wachsenden Aufgaben und der Entstehung neuer Wohn- und Gewerbegebiete in Hochheim war auch der Bedarf an weiterer Ausrüstung gestiegen. Daher musste durch die zweite Fahrzeughalle neuer Platz für den erweiterten Fuhrpark geschaffen werden. Gleichzeitig entstanden über der Fahrzeughalle Wohnungen für Feuerwehrleute.

Ein großer Schritt nach vorne in Sachen Sicherheit war die Anschaffung neuer Einsatz-Kleidung für die Feuerwehrleute. 1996 wurden die bisherigen schwarz-orange Uniformen einheitlich durch moderne Brandschutzkleidung ersetzt.

1999 erwarb der Verein der Hochheimer Feuerwehr ein so genanntes Wechselladerfahrzeug. Der LKW mit Baujahr 1986 wurde von den Kameraden der Wehr in Eigenarbeit zu einem Feuerwehrfahrzeug umgebaut.  Damit lassen sich nun je nach Einsatzlage verschiedene Wechsel-Container aufnehmen. 2001 konnte es dann in Dienst gestellt werden.

Im Jahre 2004 wurden die  bis dahin verwendeten Metallhelme der Wehr durch neue Schutzhelme aus speziellem Kunststoff ersetzt. Da die alten Helme der Einsatzabteilung in die Jahre gekommen waren und aktuellen Vorschriften nicht mehr genügten, war eine Neuanschaffung nötig. Ebenfalls 2004 konnten zwei weitere  Ersatzbeschaffungen getätigt werden: ein Einsatzleitfahrzeug und ein Löschgruppenfahrzeug LF 16.  Das bis dahin eingesetzte LF16 hatte mittlerweile 30 Jahre Dienstzeit hinter sich und konnte in den Punkten Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit nicht mehr den Anforderungen genügen.