In Hochheim werden zweimal jährlich Feuerwehrleute aus dem ganzen Main-Taunus-Kreis zu Atemschutzgeräteträgern ausgebildet.
Der Einsatz von diesen speziellen Pressluftflaschen wird immer dann nötig, wenn Atemluft nicht mehr vorhanden oder mit Atemgiften belastet ist. Dies ist vor allem bei Bränden oder Gefahrgutunfällen der Fall.
Bei der Ausbildung, die sich über sechs Tage erstreckt, wird sowohl auf theoretisches Wissen als auch praktische Kompetenz gesetzt. Schon vor Lehrgangsbeginn wird anhand der körperlichen Eignung selektiert. Doch selbst bei guter Fitness besteht keine Garantie auf ein Bestehen des Lehrgangsziels. Denn im Einsatzfall müssen die Feuerwehrleute gut vorbereitet sein, immerhin können Menschenleben oder das eigene Leben davon abhängen.
Der theoretische Teil erklärt Funktion der Geräte, Gefahren im Einsatz, Taktiken bei Personensuche und Brandbekämpfung; um nur die wichtigsten Blöcke der Ausbildung zu nennen. Am Ende steht selbstverständlich auch eine schriftliche Abfrage dieses erworbenen Wissens.
Im praktischen Teil heißt es dann Höchstbelastung für den Körper. Nicht nur die schwere Ausrüstung belastet, sondern auch das Einatmen von Luft aus einer Flasche ist gewöhnungsbedürftig. Mit voller Montur und begrenztem Luftvorrat muss der Feuerwehrmann immer noch voll leistungsfähig sein; das heißt Binden von Knoten, Bedienung von Gerätschaften, Leitern klettern oder schwere Lasten wie bewusstlose Personen tragen.
Einen weiteren Faktor stellt die psychologische Belastung dar. Im Keller des Hochheimer Feuerwehrhauses befindet sich eine so genannte Atemschutzstrecke, bestehend aus einem Gitterlabyrinth, Röhren, Türen, Klappen und sonstigen Hindernissen, die Feuerwehrleuten im realen Einsatz begegnen können. Brandgeräusche, Hitze, dichter Kunstnebel und der ständige Zeitdruck durch den sinkenden Luftvorrat in der Flasche verstärken das Gefühl von realer Gefahr. Unter diesen Umständen darf keiner der Lehrgangsteilnehmer seine Nerven verlieren. Sicherheit wird dennoch von Ausbildern direkt in der Strecke und zusätzlich in einem Kontrollraum gewährt.
Zusätzlich dazu findet eine Ausbildung im Chemieschutzanzug, kurz CSA, statt. Dieser CSA ist ein absolut luftdichter Vollkörperanzug aus speziellem Kunststoff. Hiermit muss der Atemschutzgeräteträger bei besonders schweren Gefahrgutunfällen arbeiten. Die Belastung ist dabei sogar noch größer als während normalen Einsätzen unter Atemschutz; denn im CSA ist die Bewegungsfreiheit beträchtlich eingeschränkt und die Wärmeentwicklung im Anzug sehr hoch.
Ist dieser gesamte Atemschutzlehrgang in Hochheim abgeschlossen, müssen regelmäßige ärztliche Untersuchungen und jährliche Atemschutzübungen von jedem Atemschutzträger absolviert werden um weiterhin seine Einsatztauglichkeit nachzuweisen. Auch diese Folgeübungen werden in der Hochheimer Atemschutzstrecke durchgeführt. In einem Vorbereitungsraum, welcher den Übungen in der Atemschutzstrecke voraus geht, werden körperliche Höchstbelastungen gefordert, wie zum Beispiel auf einem Laufband oder beim Gewicht ziehen. Diese Streckendurchgänge werden ausschließlich von Hochheimer Feuerwehrleuten überwacht.